Gedenken an Pierre Roiseux

Bild Pierre Roiseux 01.9

Am Wochenende haben die Bürgermeister der Gemeinden Kelmis und Bleyberg am Dreiländerpunkt an Pierre Roiseux erinnert, einen erst 20-jährigen belgischen Soldaten, der am 25. Dezember 1944 hier durch eine deutsche Personenmine ums Leben kam. Ein junger Mann, der noch sein ganzes Leben vor sich hatte – mit Plänen, Hoffnungen und Menschen, die ihn liebten. Der Krieg nahm ihm all das.

Sein Schicksal ist mehr als Geschichte. Angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine und der Konflikte weltweit wird seine Geschichte zum Mahnmal. Gleichzeitig steht dieser Ort, an dem einst Grenzen trennten und Menschen starben, heute für ein Europa, in dem aus Feindschaft Freundschaft und aus Grenzen Verbindungen geworden sind.

Den gesamten Redebeitrag des Bürgermeisters lesen Sie hierunter.

 

Rede des Bürgermeisters

 

Meine Damen und Herren,

Wir haben uns heute versammelt, um uns an Pierre Roiseux zu erinnern – einen jungen Mann, der hier am 25. Dezember 1944, am ersten Weihnachtstag, sein Leben verlor.

 

Pierre war gerade einmal 20 Jahre alt.

Erst im Oktober hatte er sich als Kriegsfreiwilliger zur belgischen Armee gemeldet.

Nur zehn Tage vor seinem Tod wurde er für den Dienst hier am Dreiländerpunkt eingeteilt.

 

Sein Tod ereignete sich in einem einzigen, unscheinbaren Augenblick – und gerade das macht ihn so erschütternd:

Bei einer Kontrollrunde trat Pierre auf eine deutsche Personenmine.

Ein einziger falscher Schritt – und sein Leben war vorbei.

 

Ein junger Mensch, der noch sein ganzes Leben vor sich hatte, starb an Weihnachten hier an der Grenze.

Wir wissen nicht, was Pierre sich von seinem Leben erhofft hatte.

Wir wissen nicht, welche Pläne er hatte, wen er liebte, welchen Beruf er ergreifen wollte oder welche Menschen er noch kennenlernen wollte.

 

Aber eines wissen wir:

Mit seinem Tod wurden all diese Möglichkeiten ausgelöscht.

 

Pierre Roiseux steht damit für die unzähligen jungen Menschen, denen die Kriege des 20. Jahrhunderts ihre Zukunft genommen haben.

 

Wir treffen uns am heutigen 12. September, weil am 12. September 1944 amerikanische Soldaten Kelmis befreiten.

Wenige Monate später starb Pierre hier bei der Sicherung dieser Grenze.

 

Lorsque nous nous réunissons aujourd’hui autour de ce monument, nous ne nous tournons pas que vers le passé.

En effet, la mémoire des morts est aussi un avertissement pour l’avenir.

Elle nous rappelle des personnes bien réelles et des destins concrets.

Et elle nous invite à nous demander ce que nous pouvons apprendre de leur histoire.

 

Aujourd’hui plus que jamais, cette mémoire prend une résonance particulière.

Face à la guerre en Ukraine et aux nombreux conflits qui continuent de déchirer le monde, elle reprend un sens qui est plus qu’un simple chapitre de l’histoire.

 

Elle est redevenue réalité.

Une réalité qui se rapproche de plus en plus de nous.

Nous voyons à nouveau des images de villes détruites, de personnes contraintes de fuir et de jeunes gens dont la vie et l’avenir sont bouleversés ou anéantis par la guerre.

 

C’est précisément là que réside un sens profond de ce lieu.

Le destin de Pierre Roiseux ne doit pas devenir seulement une page d’histoire.

Il nous appelle à être responsables, et à prendre nos responsabilités pour que de tels drames ne se reproduisent plus – ni chez nous, ni ailleurs dans le monde.

 

Lassen Sie uns deshalb für eine Welt eintreten, in der junge Menschen ihre Zukunft gestalten können, anstatt sie im Krieg zu verlieren.

Eine Welt, in der Konflikte durch Dialog, Respekt und gegenseitiges Verständnis gelöst werden.

 

Vielleicht ist dieser Ort hierfür ein besonders passender Ort.

Denn dieses Mahnmal steht hier am Dreiländerpunkt – wo Belgien, Deutschland und die Niederlande aufeinandertreffen.

Eine Grenze, die einst trennte und an der Menschen wie Pierre Roiseux ihr Leben verloren haben.

 

Heute steht dieser Ort für etwas anderes:

für ein Europa, in dem aus Grenzen Verbindungen geworden sind, aus Feindschaft Freundschaft und aus Krieg ein gemeinsames Bekenntnis zum Frieden.

 

Lassen Sie uns in diesem Sinne gemeinsam Verantwortung tragen.

Damit Pierre Roiseux und die vielen anderen Opfer der Kriege nicht nur Teil unserer Geschichte bleiben, sondern zu einer Mahnung für unsere Gegenwart und unsere gemeinsame Zukunft werden.

 

Für den Frieden.

Für Europa.

Und für die Generationen, die nach uns kommen.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

***

Bild: Christian Schyns